Donnerstag, 3. Oktober 2013

Tagestour: Jochberg, 1565 m, Bayerische Voralpen

Lange Zeit habe ich um den Jochberg einen Bogen gemacht. Zu kurz der Anstieg, zu überlaufen der Berg - das waren meine Vorurteile. Jetzt hat ein Freund, der seinen kleinen Sohn in der Kraxe mit dabei hatte, uns doch auf einen der bekanntesten Gipfel der Bayerischen Voralpen gelotst. Zwar sind meine Vorurteile zumindest bezüglich der Frequentierung durchaus bestätig worden und doch muss ich sagen: Der Jochberg ist nicht zu Unrecht ein so beliebter und bekannter Gipfel: Die Aussicht von oben auf den Kochel- und den Walchensee ist grandios!

Herbstliche Impressionen; Copyright: Lena Herrmann

Von Kochel kommend haben wir das Auto auf einem der Parkplatz am Kesselberg abgestellt - als Wanderer kann man sich die befahrene Serpentinenstraße hoch zum Pass ganz gut sparen, weil überall neben der Straße im Wald Wanderwege hoch auf die höchste Stelle der Straße führen. Von dort geht es dann auf der östlichen Straßenseite ein paar Treppenstufen hoch (gute Beschilderung zum Jochberg), die in den Wanderweg münden. Westlich der Straße führt der Forstweg hoch zum Herzogstand, wahrscheinlich neben dem Jochberg der meistbewanderte Berg in Deutschland.

Der Weg hoch zum Jochberg schlängelt sich mit moderater Steigung durch den Wald. Bei der Abzweigung halten wir uns links Richtung Jochberg und nicht Richtung Jocheralm, schließlich wollen wir zuerst mal auf den Gipfel. Erst nach rund einer Stunde Fußmarsch geben die Bäume den Blick frei ins Tal runter zum Kochelsee. Wer Glück hat (so wie wir), der befindet sich zu diesem Zeitpunkt schon über den Wolken, während der See unten noch bunter einer dicken Nebeldecke verhüllt ist.

Noch versteckt sich der Kochelsee im Nebel.
Copyright: Lena Herrmann

 Nach einem kurzen Stück entlang des Grates (allerdings immer in sicherem und gebührendem Abstand, wenn man sich vorschriftsmäßig auf dem Weg hält) führt der Pfad aus dem Wald raus und rechts unterhalb ist dann auch schon die Jocheralm auszumachen, die von Mai bis Oktober offen hat (Montag Ruhetag). Wir gehen jedoch noch eine Viertelstunde weiter hoch auf den Gipfel, wo man bei schönem Wetter niemals alleine sein wird. Doch auf dem Plateau ist genug Platz für alle Brotzeiter. Wobei die Entscheidung schwer fällt, wohin der Blick bei der Rast gehen soll: Richtung Kochelsee, Richtung Walchensee oder rein in die Alpen - Guffert, Kaisergebirge und Karwendel lassen sich ebenso gut ausmachen wie die Zugspitze. Und wer bei der Bestimmung der Berge unsicher ist, dem hilft die Panoramaschautafel neben dem Gipfelkreuz.

Der Blick auf den Walchensee - der Nebel lichtet sich auch in den Tälern der Alpen; Copyright: Lena Herrmann

Alleine ist man auf dem Gipfel selten; Copyright: Lena Herrmann
Beim Absteig wenden wir uns vor dem Wald nach links und laufen runter zur Hütte.

Rund um die Jochbergalm gefällt es den Kühen am besten; Copyright: Lena Herrmann

Nach der bewirtschafteten Alm geht der Forstweg rechts runter, aber bald führt als Abkürzung zwischen den Serpentinen ein teilweise durchaus anstrengend nach unten gehender Weg zwischen den Bäumen hindurch. An manchen Stellen ist ein bisschen Aufmerksamkeit erforderlich, weil die Markierungen nicht allzu deutlich sind. Allerdings ist der Weg so breit, dass er kaum zu verfehlen ist.

Der Steig findet sein Ende am Walchensee, dessen Ufer nochmal zu einer Rast einlädt.

Der Walchensee und der Blick auf den Herzogstand; Copyright: Lena Herrmann
Dann geht es rund um den See und von dort den Kesselberg hoch (auch hier kann man darauf verzichten, sich an den Leitplanken entlang zu drücken und nimmt lieber den Weg parallel durch den Wald), über den Pass und zurück zum Parkplatz.

Bewertung: Mit eineinhalb Stunden Aufstiegszeit, einer Hütte und moderaten Steigungen ist der Jochberg der ideale Familienberg oder ein Ziel für diejenigen, die nicht zu früh aufstehen wollen. Allerdings ist er genau dafür auch bekannt, deshalb tummeln sich bei schönem Wetter Familien in Scharen auf dem Berg. Wer sich dessen bewusst ist oder wer keine Einsamkeit sucht, den belohnt der Berg mit einer gigantischen Aussicht in die gesamte Alpenkette hinein.

Zeiten:
Parkplatz Kesselberg (700m) bis Einstieg Wanderweg (850 m): 0:15 Stunden
Einsteig Wanderweg auf dem Pass (850 m) bis Jochberggipfel (1565 m): 1:30 Stunden
Gipfel (1565m) bis Jocheralm (1382 m) : 0:15 Stunden
Jocheralm (1382 m) bis Urfeld am Walchensee (700 m); 1:15 Stunden
Urfeld am Walchensee (700 m) über Kesselberg bis Parkplatz (700m): 0:45 Stunde
Insgesamt: 865 Höhenmeter und 4:00 Stunden Gehzeit